Handball, das Leben der Schelers

mosel-handball.de Sonntag, 7. Juni 2020 von mosel-handball.de

Handball, das Leben der Schelers

Seine Handballkarriere war vorprogrammiert: „Ich durfte nur zum Handball, es gab zunächst keine andere Sportart“, erzählt Jochen Scheler, geb. 1952, der in Oldenburg als Jugendlicher erste Handballerfahrungen beim OTB sammelte. Bedingt durch die Tatsache, dass sein Vater Handballer durch und durch war, selbst Handballtrainer, zeichnete sich die Handallkarriere des heute 68-jährigen früh ab. Auch sein Bruder spielte aktiv zu Feldhandballzeiten und so war klar, dass Jochen sich nur in dieser Sportart bewegen sollte.  Als Seniorenspieler in der Oberliga Nordsee ab 1972, wechselte er 1974 zur SG Altjührden, die ebenfalls in der Oberliga Nordsee spielte und stieg mit der Mannschaft in die seinerzeit zweithöchste Liga in Deutschland, die Regionalliga Nord auf. „Damals kam das Angebot aus Altjührden, dass ich unbedingt annehmen wollte“, sagt Scheler.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn zunächst als Lehrer an die Grundschule Fredenberg in Salzgitter. 1976 wechselte er zur SG Eintracht Hildesheim, die in der Regionalliga Nord spielte. Berufliche Gründe seiner damaligen Verlobten waren entscheidend, dass Scheler im August 1979 in die Eifel umzog - dort wurde der Norddeutsche sesshaft, Trainer und Spieler des TuS Daun. „Der Einstieg als Spielertrainer wurde mir einfach gemacht. Ich fand ein sehr gutes Umfeld im Verein vor, hatte Spieler wie Rainer Schwab, Pit Lörscher, Michael Weinmann, Peter Schüller, die Kauffeld Brüder, Gerd Junk, Norbert Stelmach, Heinz Hammann und viele mehr, die genauso handballverrückt im positiven Sinne wie ich waren“, erinnert der Handballcoach.
 
„Im ersten Oberligajahr 81/82 wurde uns im Pokal der Zweitligist TuS Derschlag zugelost. Also machte ich mich gemeinsam mit Rainer Schwab und Pit Lörscher auf den Weg, beobachteten den TuS in einem seiner Meisterschaftsspiele. Wir machten Videoaufnahmen mit einem Equipment, das gut und gerne in einen Container gepasst hätte. Zuhause habe ich das Spiel der Derschlager regelrecht seziert, dabei jeden einzelnen Spielzug auseinandergenommen und meine Jungs auf den Gegner vorbereit. Obwohl wir uns dann im Pokalspiel gut verkauften, verloren wir die Begegnung. Geblieben sind aber die Erkenntnisse über deren Spielzüge, die ich dann für unser Spiel adaptiert und weiter ausgebaut habe“, verrät Scheler.
 
Als Spielertrainer führte Scheler seine Mannschaft von der Landesliga über die Oberliga 1983 in die Regionalliga, in der er die Mannschaft drei Jahre lang als Spielertrainer coachte.

Gerne erinnert sich Scheler an eine Begebenheit aus dem Aufstiegsjahr 1983, als die Familien Schwab, Scheler und Lörscher gemeinsam ihren Skiurlaub in der Schweiz gebucht hatten, doch der fiel dann in die Phase der letzten drei entscheidenden Spiele um die Meisterschaft. Was tun? „Unsere Frauen fuhren schon mal allein vor, wir absolvierten unser Heimspiel gegen Hermeskeil, setzten uns anschließend ins Auto und fuhren in den Skiurlaub nach. Am nächsten Wochenende stand die Begegnung in Sobernheim an. Also setzten wir uns wieder ins Auto, fuhren aus der Schweiz in den Hunsrück, absolvierten das entscheidende Saisonspiel, nachdem wir dann als Meister feststanden. In der Kabine wurde bereits gefeiert, Rainer und Pit hatten bereits etwas getrunken und saßen hinten in meinem Auto, als ich aus der Kabine kam und zwangsläufig fahren musste. Es war eine tolle Gemeinschaft in Daun, an die ich mich sehr gerne erinnere, vor allem an die vielen Abende nach unseren Spielen im Hotel Groß, die wir gemeinsam mit unseren Frauen verbrachten“.

Sein besonderes Augenmerk legte der Pädagoge aber schon immer auf die Jugend, trainierte von 1987 bis 1996 in Daun verschiedene Mannschaften von den Minis bis zur A-Jugend, musste dann aber nach der Operation beider Hüften im Jahr 1996 eine Pause einlegen. Doch die Pause hielt nicht lange an: seit 1997 stand Scheler wieder als verantwortlicher Trainer der 1. Herrenmannschaft des TuS Daun seinen Mann, die damals in der Oberliga Rheinland aktiv war, der höchsten Spielklasse des Handballverbandes. Auch als Vereinsfunktionär machte sich Scheler verdient! Von 1989 bis 2001 war er im Vorstand des Gesamtvereins TuS Daun tätig: zunächst als zweiter dann als erster Vorsitzender zeichnete er verantwortlich für den 1400 Mitglieder starken Verein. Auch politisch mischt sich Scheler ein, war zunächst in Manderscheid und ist seit 2010 im Dauner Stadtrat aktiv.

Im Februar 2002 verließ Scheler den TuS und wurde Trainer bei der DJK/MJC Trier, die er bis 2006 aus der Landesliga in die Oberliga führte. 2002 entstand eine intensive Freundschaft mit dem damaligen Frauen-Coach der Miezen, Dago Leukefeld, die bis heute Bestand hat. „Sie ist noch fester und intensiver geworden. Ich habe von Dago viel lernen können. Noch heute treffen wir uns regelmäßig, vor allem wenn Dago seine Camps in der Nähe ausrichtet. Wir gehen dann golfen und spätestens ab dem 2. Loch reden wir nur noch über Handball. Ich habe von Dago viel übernommen, vor allem eine Forderung, die elementar für unsere Vereine ist: Pflegt eure Jugendtrainer. Die Vereine wollen die Jugendarbeit, müssen einfach bereit sein, die entsprechende Aufwandsentschädigung zu zahlen und den Jugendtrainern einiges an die Hand zu geben. So habe ich aus privaten Mitteln eine Handballbibliothek aufgebaut, die ich immer wieder gerne interessierten Nachwuchstrainern an die Hand gebe“.
 
Es folgte der „Auslandsaufenthalt“: mit seinem Freund Christoph Bartel übernahm Scheler den luxemburgischen Erstligisten HC Berchem (2007-2008), ehe ihn berufliche Gründe zwangen, eine handballerische Pause einzulegen. Scheler übernahm die Schulleitung der Hauptschule Daun. „Ich konnte in dieser Zeit einen Einblick in die luxemburgische Handballszene genießen, hatte mit Christoph einen jungen engagierten Handballkollegen, der als hauptverantwortlicher Coach tätig war. Ich übernahm als Co-Trainer das Torwarttraining und hatte gleich drei Nationalkeeper im Training. Als Christoph dann zur HG Saarlouis in die zweite Liga wechselte, wollte Berchem mich als hauptverantwortlichen Coach verpflichten, doch meine beruflichen Anforderungen ließen das einfach nicht zu“.
 
Doch lange hielt es der Handballfanatiker nicht ohne seinen Sport aus. 2011 übernahm er C-, B- und A- Jugendmannschaften erneut in seiner Wahlheimat in Daun, ist derzeit verantwortlicher Coach der Dauner A-Jugend.
 
Der Handball Enthusiast, dessen mittlerweile erwachsenen Kinder Jan-Dirk und Wibke als Handballer höherklassig unterwegs waren, ist weiterhin neben seinen Trainertätigkeit im Jugendbereich intensiver Besucher der Dauner 1. Herrenmannschaft, hat sich der neugegründeten Dauner Gruppe „RPS 2020“ angeschlossen und steht hier mit Rat und Tat zur Seite. „Es kommen in der neuen Liga viele Aufgaben und Anforderungen auf den Verein zu und selbstverständlich bin ich bereit, mich hier einzubringen. Wahrscheinlich wird aber die nächste Saison die letzte Saison meiner Trainertätigkeit sein“, sagt Scheler, doch so recht glauben will ihm das keiner.

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